Aktuelle Infos zu Kernkraft und Atommüll-Endlagersuche

Auch grenznahe (NÖ) Standorte Horka und Hradek werden “aufgebohrt“.
Wie SÚRAO, die zuständige Atommüllbehörde heute bekannt gab, haben die Probebohrungen bei den Kandidatenstandorten begonnen. Zum ersten Mal werden nicht nur Oberflächenkartierungen durchgeführt, sondern es erfolgt der nächste wesentliche Schritt: Die Annahmen über die Standorte bzw. deren Eignung sollen bestätigt werden.
Als erstes ist der Standort “Janoch“ bei Temelín dran, die anderen Standorte werden folgen. Das sind noch nicht die angekündigten Tiefenbohrungen von bis 1000 Meter Tiefe, sondern nur von 100 Metern. In den nächsten zwei Wochen werden 2 Bohrlöcher im Abstand weniger Meter gebohrt werden, um das Gesteinsmassiv selbst und das Grundwasser zu untersuchen, welches direkt unter der Erdoberfläche durch Niederschläge entsteht.
Es wird gemessen werden, wie schnell das Grundwasser, nachdem es abgepumpt wurde, wieder seinen ursprünglichen Spiegel erreicht, regelmäßige Wasserproben werden zur Untersuchung in Laboratorien geschickt. Dieses Monitoring wird dann am ausgewählten Standort und am ausgewählten Reservestandort weitergeführt werden. Die Festlegung der Standorte soll 2030 erfolgen.
Der Verdacht, dass sich das nicht ganz ausgehen wird und diese Annahme auch die zuständigen Minister erreicht haben könnte, basiert auf Aussagen von Minister Havlicek im Mai, wonach sie dafür in Brüssel lobbyieren, das ziemlich einzige wesentliche Kriterium der Taxonomie für Atomkraft – Endlager bis 2050 – außer Kraft zu setzen bzw. zu verschieben.
Dennoch handelt es sich um sehr heikle Phasen der Untersuchungen, Wasser kennt bekanntlich keine Grenzen und Undichtigkeiten in den eingelagerten Fässern würden ins Wasser eindringen und die radioaktiven Stoffe weitertragen.
Endlager-Gemeinden haben geklagt
Gegen die Genehmigung dieser geologischen Untersuchungen haben alle vier Standorte geklagt und am 22. April dieses Jahres wurde auch bei der letzten dieser Klagen (Březový potok im Böhmerwald) negativ entschieden. So vertrat die Richterin nicht die Ansicht der Gemeinden, dass das Ministerium ihre Interessen zu wenig berücksichtigt hätte, da sie von den Untersuchungsarbeiten selbst gar nicht oder nur in einem akzeptablen Ausmaß betroffen seien.
Die Rechtsvertretung einiger der Gemeinden vertrat bei Gericht die Ansicht, dass das Industrieministerium (MPO) eine Salamitaktik anwendet, wenn die Einwände der Gemeinden immer wieder in die nächsten Verfahren zum Endlager vertagt werden. Sie verwies darauf, dass die kritisierte Entscheidung sich auf die Entwicklung der Gemeinden und deren Bewohner auswirken kann. Ebenso sei der Schutz der dortigen Bäche im öffentlichen Interesse.
Die staatliche Atommüllbehörde (SÚRAO) konterte wiederum mit dem enormen öffentlichen Interesse an der Durchführung der geologischen Untersuchungen sowie der anschließenden Errichtung des Endlagers: Dieses Projekt stützt sich auf die strategischen Dokumente der Regierung. Hier sei eine kleine Anmerkung erlaubt: Das Konzept für die Atommüllentsorgung in der Tschechischen Republik wurde überarbeitet, um die erhöhten Mengen an Atommüll zu berücksichtigen. Allerdings soll es keiner UVP, auch keiner grenzüberschreitenden unterzogen werden, weil das Umweltministerium in Prag das nicht für notwendig hält.
Weitere Schritte der Gemeinden in Vorbereitung
Der Bürgermeister von Chanovice, einer der Gemeinden am Standort Březový potok kündigte an, sich nach Erhalt des Urteils an das Kassationsgericht zu wenden. Die Kosten dafür wird die Gemeinde aus den Kompensationszahlungen, die sie als Kandidatenstandort für das Endlager erhält, leisten.
Der Artikel wurde verfasst von Patricia LORENZ und bearbeitet von Renate Brandner-Weiß.
Bildquelle: SURAO
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