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Auf dem Weg zu einem möglichen Kernfusionskraftwerk –
Wissenslücken und Forschungsbedarfe

31.10.2025

Vor dem Hintergrund der seit 2023 erneut intensivierten Debatte über mögliche kommerzielle Fusionskraftwerke wird in dieser TA-Kompakt-Studie die Frage erörtert, welche Herausforderungen für den Bau und den Betrieb solcher zukünftigen Kraftwerke noch zu meistern sind und welche Eigenschaften Fusionskraftwerke voraussichtlich aufweisen werden.

  • Beim gezielten Verschmelzen von Atomkernen, der Kernfusion, werden große Mengen an Energie freigesetzt. Diese Energie nutzbar zu machen, ist seit jeher das Ziel der Fusionsforschung. In jüngster Zeit erzielte Fortschritte geben Anlass zu der Hoffnung, dass die technische Realisierbarkeit eines Energie-liefernden Fusionsplasmas in Kürze bevorstehen könnte.
  • Allerdings ist der Weg zur Stromerzeugung in möglichen kommerziellen Kernfusionskraftwerken noch weit und jahrzehntelange Anstrengungen in der Grundlagen- und angewandten Forschung wie auch bei ingenieurstechnischen Entwicklungsleistungen sind hierfür notwendig.
  • Damit um die Mitte des Jahrhunderts kommerzielle Fusionskraftwerke ans Netz gehen können, ist die wissenschaftliche-technische Machbarkeit der Energiegewinnung aus kontrollierter Kernfusion eine notwendige, aber beileibe keine hinreichende Bedingung.
  • Aus Perspektive der Technikfolgenabschätzung stellen sich grundlegende Fragen, von deren Beantwortung der Erfolg oder Misserfolg der Fusionstechnologie entscheidend abhängt.
  • Dies betrifft vor allem Fragen der Wirtschaftlichkeit, die Integration in ein von erneuerbaren Energien geprägtes Energiesystem, Umwelteigenschaften (z.B. Beitrag zum Klimaschutz, Ressourcenbedarfe und radioaktives Inventar, Emissionen und Abfälle), aber auch Themen der sozialen Nachhaltigkeit etwa Verteilungs- und Akzeptanzfragen. Darüber hinaus bestehen auch Fragen hinsichtlich Dual-use und der Weiterverbreitung von Kernwaffen.

Die wichtigsten Zitate und Kernergebnisse der Studie „Auf dem Weg zu einem möglichen Kernfusionskraftwerk“ zusammengefasst:

☢️ "Falls Fusionskraftwerke ab Mitte des Jahrhunderts breit verfügbar sein sollten, würden sie auf ein Stromsystem treffen, das maßgeblich von erneuerbaren Energien geprägt ist."

☢️ "Um die fluktuierende Einspeisung von Solar- und Windstrom auszugleichen, sind schnell regelbare Kraftwerke mit niedrigen Investitionskosten erforderlich. Fusionskraftwerke können diese Aufgabe absehbar nicht erfüllen."

☢️ "Investitionen in Fusionskraftwerke werden in liberalisierten Energiemärkten schwer zu realisieren sein, wenn das damit verbundene unternehmerische Risiko nicht durch die öffentliche Hand abgemildert wird."

☢️ "Werden aktuelle Klimaschutzziele erreicht, kämen Fusionskraftwerke voraussichtlich zu spät, um einen Beitrag zur Dekarbonisierung der Energiewirtschaft zu leisten."

☢️ "Weltweit steht nur eine sehr begrenzte Menge an Tritium für zivile Zwecke zur Verfügung. Für den Betrieb von ITER reicht sie aus. Für zusätzliche Anlagen, die Tritium verbrauchen, steht sehr wahrscheinlich kein Tritium zur Verfügung."

☢️ "Fusionskraftwerke müssen im Betrieb mehr Tritium durch sogenanntes Brüten erzeugen, als sie verbrauchen. Die dafür nötigen Technologien sind kaum entwickelt und erprobt."

☢️ "Tritium ist als Sprengkraftverstärker ein Bestandteil fortgeschrittener Kernwaffendesigns. Die Erbrütung von waffenfähigem Plutonium in einer für Sprengköpfe ausreichenden Menge ist in Fusionskraftwerken technisch möglich. Um zuverlässig zu verhindern, dass militärisch relevante Mengen Tritium aus Fusionskraftwerken abgezweigt werden, ist ein äußerst hoher apparativer und administrativer Aufwand erforderlich."

Die TA-Kompakt-Studie wurde vom Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung am 4. Dezember 2024 abgenommen und am 9. Januar als TA-Kompakt Nr. 1 veröffentlicht.

Die Studie ist online verfügbar unter:
https://www.tab-beim-bundestag.de/projekte_auf-dem-weg-zu-einem-moeglichen-kernfusionskraftwerk-wissensluecken-und-forschungsbedarfe-aus-sicht-der-technikfolgenabschaetzung.php

Artikel zusammengestellt von Renate Brandner-Weiß


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